Im Namen des SC Baldham-Vaterstetten hat sich unser Vorstand mit einem offenen Brief zur aktuellen existenzgefährdenden Situation von Fußballvereinen durch das angekündigte Verbot von Kunststoffgranulaten für Kunstrasenplätze an Frau Prof. Dr. Angelika Niebler (Mitglied des Europäischen Parlaments und stellvertretende Parteivorsitzende der CSU) und Herrn Markus Blume (Generalsekretär der CSU und Abgeordneter im Bayerischen Landtag) gewandt. Vor dem Hintergrund einer belegbaren völlig falschen Faktenlage wird ein für tausende von Sportlern, der Großteil davon Kinder und Jugendliche, gefährlicher Aktionismus betrieben. Wir haben beide um Unterstützung gebeten, die Diskussion auf eine sachliche und korrekte Grundlage zurück zu führen. 
Der offene Brief wurde auch an die Medien FAZ, SZ, Münchner Merkur, die Verbände DFB, BFV und BLSV übermittelt und darf von diesen veröffentlicht werden.
  
   
Offener Brief zum geplanten Verbot von Kunststoffgranulat bei Kunstrasenplätzen
   
Sehr geehrte Frau Dr. Niebler, sehr geehrter Herr Blume,
da wir uns persönlich kennen, ich Sie beide sehr schätze und Sie in Ihren politischen Funktionen und Ämtern für das von mir im Folgenden angesprochene Thema vermutlich auch Stellung beziehen müssen und möchten, wende ich mich mit meinem Anliegen, in Vertretung für den Sportclub Baldham-Vaterstetten an Sie. Unser 1. Vorsitzender des Gesamtvereins Herr Josef Schmid, unterstützt ausdrücklich diesen Brief und das Anliegen der Fußballabteilung und steht gerne auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. Obwohl sich die Ereignis-se im Moment überschlagen, möchten wir unser Anliegen trotzdem formulieren und adressieren.
Da von dem aktuellen Vorhaben der EU, Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen gänzlich zu verbieten, nicht nur der SC Baldham-Vaterstetten betroffen ist, sondern viele tausend Sportvereine in Bayern und Deutschland, habe ich mich entschlossen diesen Brief als offenen Brief zu gestalten und diesen auch dem Bayerischen und Deutschen Fußballverband sowie Zeitungsverlagen und weiteren Medien, welche hierzu schon berichtet haben, zukommen zu lassen.
Wie viele andere Sportvereine übernimmt der SCBV eine große soziale Verantwortung im Gesellschaftsleben der Gemeinde Vaterstetten und bietet überwiegend Kindern und Jugendlichen, in unserm Fall mehr als 600, Sport-möglichkeiten. Aufgrund der Witterungsbedingungen, welche in Deutschland vorherrschen, ist dies auf Rasen-plätzen nur in den Monaten April bis Oktober möglich. In den Monaten November bis März ist dies nur möglich, wenn ein moderner Kunstrasenplatz zur Verfügung steht. Bezogen auf unseren Verein mit 42 Mannschaften, davon 35 Jugendmannschaften, und ca. 900 aktiven Mitgliedern, werden wir ca. zusätzlich 70.000 Sportstunden mit unserem neuen Kunstrasenplatz anbieten können.
Umso ärgerlicher ist es nun, dass das für Kunstrasenplätze so wichtige Kunststoffgranulat gänzlich verboten werden soll, da die Beurteilung auf einer Faktenlage erfolgt, welche schlichtweg falsch ist. Niemand stellt die Aussage, welche in der Studie des Fraunhofer Instituts erfolgt ist in Frage, obwohl die Daten in einer wissen-schaftlich völlig unzulänglichen Weise erhoben wurden. Würde die Studie genau gelesen werden, stellt man fest, dass die Daten per email-Abfrage, gerichtet an Wissenschaftler, ernannte Experten, die finanzierenden Partner der Studie und Laien (mehr als die Hälfte der Befragten) etc. erfolgte (siehe Seite 10 der Studie11).
 
Die finanzierenden Partner der Studie waren u. a. Unternehmen der Kosmetikindustrie, deren Mikroplastikprob-lematik nun scheinbar nicht mehr von Bedeutung ist.
Die in unserer Einschätzung massiv falschen Zahlen lassen sich relativ einfach belegen. In einer Stellungnah-me hat die Fa. Polytan als führender Hersteller von Kunstrasenplätzen versichert, dass pro Jahr ca. 250 kg auf modernen Kunstrasenplätzen nachbefüllt werden. Dies ist der maximale Austrag, welcher an Kunststoffgranulat erfolgt. Vermutlich ist es sogar noch weniger, da davon ausgegangen wird, dass eine Verdichtung des Kunst-stoffgranulats auf dem Platz stattfindet. Diese Zahlen können von Vereinen, die Kunstrasenplätze betreiben, einfach bestätigt werden, da diese ja regelmäßig Kunststoffgranulat nachkaufen.
Rechnet man diese 250 kg Kunststoffgranulat auf die in der Studie angegebene Platzzahl von 4.000 Plätzen in Deutschland hoch, dann ergibt sich ein Gesamtaustrag von 1.000 Tonnen Kunststoffgranulat. Die Studie gibt anhand der email-Daten ein Volumen von 11.000 Tonnen Kunststoffgranulat an. Dies ist ein um den Faktor 11 höherer Wert!
Sicher sind auch 1.000 Tonnen Kunststoffgranulat, welches in die Umwelt gelangt nicht gut. Im Vergleich zu anderen Quellen liegen damit aber Sportstätten nur mehr an ungefähr 20. Stelle und damit deutlich hinter den immer wieder angeführten Kosmetikprodukten. Die Erzeugung von Mikroplastik durch Autoreifen liegt um den Faktor 100 höher, die Freisetzung durch den Abrieb von Schuhsohlen oder das Waschen von Textilien liegt um den Faktor 5 bis 8 höher.
Im Sinne der Gleichbehandlung müssten nun auch Autoreifen, Kunststoffsohlen bei Schuhen oder das Wa-schen von Textilien mit Kunststofffasern verboten werden.
Ich möchte Sie deshalb um drei Dinge bitten.
• Bitte nutzen Sie Ihre politischen Möglichkeiten, um die genaue Faktenlage bezüglich der Freisetzung von Kunststoffgranulat durch Kunstrasenplätze zu verifizieren, damit auf einer korrekten Faktenlage ar-gumentiert und entschieden wird.
• Darüber hinaus möchte ich Sie bitten, sich dafür einzusetzen, dass Maßnahmen, welche den Austrag von Kunststoffgranulat bei Kunstrasenplätzen, wie Austragsschutz an den Umzäunungen, Auffangbo-xen mit Abtretegittern an den Ausgängen der Plätze etc., staatlich gefördert werden. Damit könnte der Austrag nochmals deutlich reduziert werden, denn in einem abgegrenzten Bereich, wie einem Kunstra-senplatz lässt sich dies einfach kontrollieren und beherrschen.
• Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass es zu keinem Verbot von Kunststoffgranulat für Kunstrasenplätze kommt.
Die Überlegung auf ein Granulat zurückzugreifen, welches nur zu einem gewissen Anteil aus Kunststoff besteht oder aus Kork, wurde von uns verworfen. Kork ist aufgrund eines hohen Schimmelrisikos gesundheitlich äußerst bedenklich. Außerdem schwimmt es bei Starkregen vom Platz. Der erwähnte Quarzsand ist ebenso keine Alter-native, da dieser bei Stürzen zu schweren Hautabschürfungen führt und keinerlei Dämpfungseigenschaften hat. Dies wäre ein Schritt zurück zu den alten Tennenplätzen, auf welchen keiner mehr spielen möchte.
Der SCBV ist sich der Problematik von Mikroplastik durchaus bewusst. Die in der Fraunhofer Studie angegeben Werte treffen aber in keiner Weise auf unser Vorhaben zu. Die Notwendigkeit Kindern und Jugendlichen ausrei-chend Sportmöglichkeiten zu bieten, überwiegt dabei die Nachteile des geringen Austrags von Mikroplastik deut-lich.
Mit freundlichen Grüßen
SC BALDHAM-VATERSTETTEN e.V. 
  
Helmut Lämmermeier                  Josef Schmid
Abteilungsvorstand Fußball         1. Vorsitzender SCBV